Karlheinz Stockhausen
Heiliger der Galaxien
Die Beatles haben sich von dem Avantgarde-Komponisten inspirieren lassen. Karlheinz Stockhausen erhitzt die Gemüter: beim Einsatz von Hubschraubern oder bei der Komposition des längsten Musikzyklus der Welt.
Anfang Juli 1995 wird der winzige Platz vor dem Amsterdamer Westergasfabriek-Theater vorübergehend zu einem Flughafen umfunktioniert. Unter dröhnendem Krach landen vier Hubschrauber vor dem alten Gebäude, die von Karlheinz Stockhausen für die Premiere des exzentrischen Werkes "Helikopter-Quartett" gemietet wurden. Während das verwirrte Publikum auf den Anfang der Aufführung wartet, heben die Mitglieder des angesehenen Arditti-Streicherquartetts in den Hubschraubern ab und beginnen ihr Konzert. Bild und Ton der Luftaufführung werden in die Konzerthalle gesendet.
"Neurotisch schön"
Zuhörer und Musikerkollegen reagieren ähnlich auf Stockhausen: Entweder lieben sie ihn oder sie hassen ihn. Die Kritiker sind sich jedoch weitgehend einig. Karlheinz Stockhausen ist einer der talentiertesten und einflussreichsten deutschen Komponisten der Nachkriegszeit. Stockhausens Kompositionen sind höchst komplex, die Stücke disharmonisch und abstrakt. John O'Mahony, Musikkritiker für den britischen "Guardian", bezeichnet Stockhausens Musik als "neurotisch schön".
Geboren im rheinländischen Mödrath, verläuft das Leben des späteren Komponisten zunächst wie das von vielen jungen Deutschen seiner Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg bei Null anfangen müssen. Nach dem Tod beider Elternteile und traumatischen Kriegserfahrungen hält sich Stockhausen mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Unter anderem spielt er in Piano-Bars.
Atonale Jam-Sessions
An der Universität Köln belegt Stockhausen Kurse in Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. Später wechselte er an die Universität Bonn, studiert Phonetik und Kommunikation. Von 1952 bis 1953 studiert Stockhausen dann in Paris zusammen mit Olivier Messiaen und Pierre Boulet, damals bereits bekannte Musiker, die in ihren Stücken mit atonaler Musik experimentieren.
Durch seine Arbeit wird Stockhausen schon bald bekannt. Experimentelle Aufnahmen in den WDR-Studios in den frühen fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts bringen ihm internationale Anerkennung und führen zu Begegnungen mit führenden Musikern wie John Cage und dem Pianisten David Tudor. In den sechziger Jahren spielt Stockhausen eine Schlüsselrolle in der Fluxusbewegung, die die traditionellen Grenzen zwischen Kunst und Gesellschaft brechen will. Er arbeitet mit anderen Avantgarde-Künstlern wie Nam June Paik und Allen Ginsberg in New York zusammen und entwickelt ein Interesse für visuelle Kunst.
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