Gerhard Richter
Vom Geheimnis der Wirklichkeit
Bis zu neun Millionen Dollar muss man inzwischen für einen "echten" Richter zahlen. Der deutsche Superstar der modernen Kunst blickt auf 40 kreative Jahre zurück. Von der Pop-Art bis zum monochromen Glasobjekt: Richters Œuvre gleicht einem mehrstöckigen Haus.
Als "teuersten lebenden Künstler" bezeichnet ihn "The Art Newspaper" im März 2002. Einzelne Werke Gerhard Richters kosten mehr als neun Millionen Dollar. Sotheby's versteigert sein Gemälde "Drei Kerzen" für 4,9 Millionen Dollar. Eine Ausstellung jagt die nächste. Richter ist nicht nur der "teuerste" Künstler überhaupt, sondern auch einer der bekanntesten. Nach einer Reihe von Projekten in Europa erobert er 2002 New York – das Mekka der aktuellen Kunstszene. Das "Museum of Modern Art“ (MoMA) ehrt den deutschen Künstler mit einer umfassenden Retrospektive anlässlich seines 70. Geburtstages. Die Ausstellung ging in der Saison 2002/2003 auf Tour durch amerikanische Museen in Chicago, San Francisco und Washington.
Ein eigener Kosmos
Es ist sehr schwer, das eine, das typische Werk Richters zu nennen. In 40 Jahren kreativer Arbeit hat sich der Stil des Künstlers kontinuierlich verändert. Er hat Pop-Art produziert, mit Fotorealismus experimentiert, konzeptuelle und minimalistische Kunst ausprobiert und abstrakter Malerei gefrönt. Zeitweise entsagte er der Malerei, schuf Objekte, Fotocollagen und Installationen. Innerhalb jeder künstlerischen Richtung, in der er tätig war, hat Richter seinen eigenen Kosmos geschaffen.
So gibt es den "fotorealistischen Richter" mit dem Werk "Emma – Akt auf einer Treppe" aus dem Jahr 1966. Es gibt seine berühmten "farbigen Tabellen" und die "graue Malerei" der 1970er Jahre. Es gibt das konzeptuelle Fotoprojekt "48 Porträts" – den Humanisten des 20. Jahrhunderts gewidmet. Sein künstlerischer Weg verläuft nicht gerade, er verzweigt sich, wendet sich. Dennoch bleibt Richter bei all seiner Stilvielfalt einer Idee verpflichtet. Das "Geheimnis der Wirklichkeit" ist zentraler Bezugspunkt im kreativen Werk Gerhard Richters.
Wahrheit in progress
Wie findet Wirklichkeit ihr Abbild in einem Gemälde? Wie adäquat ist diese Abbildung? Das sind die Fragen, die Richter antreiben. Fragen, für deren Beantwortung man kein klassischer Maler sein muss. Auf der Suche nach "künstlerischer Wahrheit" befasst sich Richter mit Hyperrealismus und expressiver Malerei, polychromer Abstraktion und realistischer Fotolandschaft, konzeptueller Form und minimalistischen Objekten.
Am Anfang seiner Karriere beteiligt Richter sich an provokanten Pop-Art-Performances. Im Jahr 1963 nimmt er an einer Aktion mit dem Titel "Kapitalistischer Realismus" teil. Zusammen mit dem Galeristen Konrad Fischer-Lueg stellt er sich selbst in der Vitrine eines Düsseldorfer Möbelgeschäfts aus. Später widmet sich Richter der eigentlichen Malerei. Sein großes Interesse an Fotografie führt aber schnell zur Integration in die Malerei. Auf der Suche nach der "Wahrheit des Bildes" versieht Richter seine frühen fotorealistischen Arbeiten mit einer phantomartigen und geheimnisvollen Aura. Effektvoll setzt er verschwommene Fotoabdrucke ein.
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