Ingeborg Drews
Im Rhythmus der Gedichte
Seit fünf Jahrzehnten dichtet, fotografiert, zeichnet und malt die Kölner Künstlerin Ingeborg Drews. Die Inspiration für ihre Arbeit findet sie in der Jazzmusik, dem Alltagsleben und den Erinnerungen an ihre bewegte Vergangenheit.
"Mein erstes Gedicht, das ich schrieb, handelte von einem Mädchen in der Schule, das ich nicht mochte. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie musste das raus", erzählt die heute 65-Jährige. Ingeborg Drews lebt und arbeitet in Köln. Zu ihren zahlreichen Werken gehören drei Gedichtsammlungen - "5 Paradise Stories" (1981), "Am Rande der Stunden" (1989) und "Die gewöhnliche Sternstunde" (1999) - sowie ein selbst illustrierter Gedichtband. Die Entstehung eines Gedichts vergleicht die Dichterin und bildende Künstlerin mit dem Prozess der Bildhauerei. Genau wie bei einer Skulptur muss sie viele Jahre lang an einem Gedicht feilen, bevor sie damit zufrieden ist. "Künstler sind sensible Menschen und nehmen ihre Themen aus der Welt, die sie umgibt. Um ein Gedicht entstehen zu lassen, muss erst ein Samen gefunden werden", erzält Drews.
Kindliche Unschuld
Drews wird 1938 in Köln geboren und wächst in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs auf. "Ich denke, dass die Kindheit einen Menschen prägt. Man kann sie sich nicht aussuchen und je älter man wird, desto häufiger blickt man zurück", sagt sie. Ihre Kindheit ist für Drews auch heute noch eine wichtige Inspirationsquelle. "Ich habe häufig das Gefühl, in die Augen eines Kindes zu blicken, das ich einmal war. Heute habe ich die Fähigkeit, dieses Kind zu verstehen", erzählt die Künstlerin. In ihren Gedichten beschreibt sie die kindliche Unschuld, die viele Erwachsene verloren haben.
Wegen ihrer Liebe zu Farben und Bildern beginnt Drews, in Köln Kunst und Malerei zu studieren. 1959 zieht sie nach Paris und später nach London. Diese Zeit beschreibt sie als eine Phase der Selbstfindung. Das Erlernen von anderen Sprachen und die Begeisterung dafür sind für sie eine wichtige Erweiterung ihres persönlichen Erfahrungshorizontes. "Man öffnet sich für völlig neue Dinge, wenn man eine neue Sprache lernt und anfängt, sie zu lieben. Als ich Gedichte in anderen Sprachen schrieb, merkte ich, dass ich meine Gefühle teilweise nur in diesen Sprachen ausdrücken konnte", erzählt Drews.
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