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Zitate
  "Ich mach weiter - um die nachfolgenden Generationen ein wenig zu entzünden. Damit diese Würstchen wissen, wo's langgeht!" Luigi Colani

"Bescheidenheit ist dem 'letzten Universalisten' so fremd wie eine gerade Linie und so unangenehm wie eine Tischkante." Süddeutsche Zeitung

"Mehr als ein Phantast, der ungeheuerliche Geräte baut." Die Welt

  Luigi Colani
  1928 Am 2. August wird Luigi Colani in Berlin geboren
1946 Beginn eines Kunststudiums in Berlin
1948 Aerodynamik-Studium an der Sorbonne in Paris
1954 "Goldene Rose" für das Design des Fiat 1100TV
1972 Designbüro Schloss Harkotten
1995 Designbüro Shanghai und Professur für urbane Architektur
2002 Colani Designcenter mit Forschungszentrum in Karlsruhe

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Luigi Colani


Nach dem Schulbesuch studiert Colani zunächst an der Kunstakademie Bildhauerei und Malerei. Später belegt er an der Sorbonne Vorlesungen über Aerodynamik. Die Lehre von der Bewegung gasförmiger Stoffe fasziniert den jungen Mann, der seine Kindheit nach eigenen Angaben neben einem Flugplatz verbracht hat. Manche seiner Prototypen für Autos, Flugzeuge und Fahrräder werden später im Windkanal Werte erreichen, von denen andere Konstrukteure vor und nach ihm nur glasige Augen bekommen.

"Von den Stufen der Sorbonne weg" wird Colani 1952 vom amerikanischen Flugzeughersteller Douglas engagiert. Der Aerodynamiker und "Highspeed-Researcher" tüftelt bald darauf auch an französischen Rennwagen und gewinnt 1954 die "Goldene Rose" für den Fiat 1100TV. In den 1960er Jahren häufen sich Aufträge aus der Auto- und Möbelindustrie. Colani arbeitet mit organischen Formen, ganz in der Überzeugung, "dass wir Menschen in horizontlosen runden und weichen Räumen glücklicher werden". Colani selbst macht sich 1972 mit einem eigenen Schloss glücklich. Mit Rolls Royce und großer Belegschaft zieht er in das westfälische Schloss Harkotten - eine der ersten deutschen Design-Agenturen entsteht.

Mit Walrossschnurbart nach Asien

Nach einer ersten Asienreise 1979 zieht es Colani schon drei Jahre später nach Japan. Europäisches "Mittelmaß und Kriechertum" ekeln ihn - spätestens seitdem sein Führerschein nach waghalsigen Fahrmanövern eingezogen wurde - vollends an. An Bord seiner Jacht "Caprice" segelt der Multi-Millionär gen Asien. "Da bin ich ein Heiliger, ein Prophet", erzählt Colani. Und in der Tat zeigen sich die Japaner höchst angetan von dem Deutschen mit dem mächtigen Walrossschnurrbart. Etliche Preise für erfolgreiches Design sammelt Colani, der eine Professur für urbane Planung annimmt, nebenbei Damenmode entwirft und ab 1991 auch die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA mit Ideen versorgt.

In Europa meldet sich Colani mit "Bio-Design", seinem neuen Markenzeichen, zurück. Denn schließlich drohen nach wenig bescheidener eigener Einschätzung "in Europa" ohne ihn "die Lichter auszugehen". Für Schlagzeilen sorgt Colanis angekündigtes Engagement für die wirtschaftlich angeschlagene Weserstadt Bremerhaven. Mit einem hochmodernen Entwicklungszentrum will der Designer die Stadt aus den roten Zahlen führen. Die Zusammenarbeit zerschlägt sich, als die Verantwortlichen im Stadtrat es ablehnen, im Gegenzug Colanis Rennwagentestversuche in den USA mit einer Million Mark zu unterstützen.

Wiedersehen in Karlsruhe-Neureuth

Ob Design-Urne, 500 Meter langes Frachtschiff, das sich der Erdkrümmung anpasst, oder eine ganze Bio-Stadt – der Mann, der nie ein Lineal benutzt haben will, werkelt trotz seiner 75 Jahre auch im dritten Jahrtausend munter weiter. "Der Schrott, der uns umgibt, das schlechte Design, die schlechte Formgestaltung ist mir immer wieder eine Quelle des Ärgernisses", sagt der Provokateur. An missratenen Dingen entzündet sich sein Geist. Und im Spannungsfeld zwischen Hochtechnologie und Bildhauerei bastelt Colani an seinem Weltentwurf - inspiriert lediglich von Hieronymus Bosch und Antonio Gaudi.

Seit Februar 2004 lässt sich Colanis nächstes Projekt im Industriegebiet Karlsruhe-Neureuth bestaunen. Auf 12.000 Quadratmetern präsentiert der "Design-Zigeuner" (Colani über Colani) sein Schaffen aus 50 Jahren. Ein Wiedersehen mit futuristischen Entwürfen, die oftmals ihrer Zeit voraus waren. Und von denen man nur allzu oft nie wieder etwas gehört hat. Der 75-Jährige ist unterdes guter Dinge - schließlich entsteht unter seiner Leitung eine Ausstellung, "gegen die das Museum of Modern Art in New York nur ein Schluck lauwarmes Wasser ist".

Marcus Bösch

 

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